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2020 Kartusche:
Wir schreiben das Jahr 2020 ..
..und wundern uns als ältere Zeitgenossen über fast nichts mehr!
Die Technik hat sich sehr verändert;
wir haben Reste der Mechanisierung und die Anfänge der motorisierten Landwirtschaft erlebt,
den Einzug von elektrischen Hilfsgeräten im Haushalt,
die Verbreitung von Telefonen,
die Einführung von Mobiltelefonen oder Handys genannt,
den 1. Home-Computer und die darauf folgenden schnellen Schritte
in Richtung Molekular- oder Nanotechniken, Genforschung,
die 1. Fernseher, die in schnellen Generationswechseln immer größer
und dann auch noch flach geworden sind.
Vom einfachsten Plattenspieler über Tonbänder, Kassetten für TV und Musik,
CDs, MP3, DVD und wer weiß was sonst noch an seltsamen Sachen kamen.
Von elektrischen Rasierapparat bis zu ebensolchen Zahnbürste und nun auch noch den "Saugroboter",
der die Wohnung -fast- automatisch reinigt.
Wenn man bedenkt, daß wir noch mit dem Plumpsklo im Hof dabei waren
und vereinzelt noch Fahrkühe und Kuhfuhrwerke sahen..
und noch einige andere -heute seltsam wirkende- Dinge erlebten!
In den 1950iger Jahren war eine "E-Nummern-Verordnung" freilich unbekannt
und niemand interessierte sich dafür, was in den Lebensmitteln steckte -
bis auf die Kenntnis um Vitamine und Mineralstoffe.
Hauptsächlich ging es darum, was denn dieses oder jenes Produkt kostet.
Das Geld war knapp, die Löhne sehr niedrig,
die Gewerkschaften fingen erst wieder an sich zu behaupten.
Wichtig war den Familien satt zu werden.
Die Fenster waren noch aus Einfachglas und Holz, es gab also "Eisblumen" in den kalten Wintern,
die schon mal bis 20 Grad Celsius Minus hatten.
Die Räume wurden in den allermeisten Häusern noch mit Öfen beheizt,
desgleichen die Badezimmer- wo ein 80ltr Beuler stand,
der mit Holz oder Briketts befeuert war.
Noch in den späten 1950iger Jahren war nur eine Steckdose in jedem Raum verbaut-
alles Weitere hat sich danach gezeigt:
Staubsauger kamen auf, Mixer, Rührgeräte - die Elektroherde waren schon vorgesehen.
In nur ganz wenigen Häusern des Ortes gab es ein eigenes Auto,
Fernseher oder Telefon- jeweils vielleicht in 2% der Familien. (1958)
Früher fragte niemand seinen Essens-Gast, ob er Diätiker, Diabetiker,
Veganer, Allergiker, Vegetarier oder einfach nur ein Nörgeler war-
es wurde gegessen, was auf den Tisch kam.
Danach begann ganz langsam die Zeit, in der man in Urlaub nach Bayern
oder Österreich oder an die Nord- oder Ostsee fuhr, zumeist auf Campingplätze,
die wie Pilze aus dem Boden schlossen.
Immer mehr Autos kamen dazu, die Zeit der Fahrräder und kleinen Motorräder oder Mopeds ging vorbei.
"Convenience-Products", Bier und Limonaden in Flaschen wurden zum Massenartikel.
Plastik erlebte einen riesigen Boom, der bis heute anhält,
als Spielzeug, in Autos und Geräten bis zu Verpackungen für Wurst und Käse.
Erst in den 1970iger Jahren kamen die Supermärkte -
zuvor kaufte man in sogenannten "Tante-Emma-Läden" ein.
Die Reste dieser Zeit waren die Trinkhallen, die bis 1990 in Frankfurt
noch vielfach das Straßenbild prägten - ab und an sieht man ein Derivat davon,
aber auch schon selten genug - ein Stück Altes ist weg.
Die größte Seeligkeit war heiße Fleischwurst, selbstgemachter Kartoffelsalat
und ein Glas Bier- für Kinder eine V orlo-Limonade oder eine Cola.
Die Menschen waren bescheiden
und freuten sich über jeden Fortschritt und Arbeitserleichtung - und die kam:
In Form der Rationalisierung und Automatisierung in den Betrieben.
Viele wurden arbeitslos und kämpften mit Nebentätigkeiten
(Zeitung austragen, Flaschenverkauf, Knopfherstellung, Strickwaren etc.)
ums nackte Überleben - besonders die Mütter.
Die "Stempelgelder" bei Arbeitslosigkeit waren sehr sehr dürftig bemessen
und mit persönlichen Ächtungen auf den Ämtern verbunden,
was als derber Spott im Dorftratsch zu spüren war.
Heute "steht" sogar jedem wildfremden -angeblichen- Asylanten (besser Wirtschaftsflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen und Armutsflüchtlingen) Unterstützung "zu",
nebst Krankenversorgung, was die Beiträge ständig höher treibt für die zahlenden Mitglieder.
Früher hatten viele Leute Gärten, entweder eigene oder gepachtete Parzellen,
das half die Familie gut zu versorgen mit frischem Obst und Gemüse.
Heute ist die Lagerung dieser Produkte sehr viel besser und länger machbar als damals.
Heute ist diese Frische-Versorgung rund um das Jahr gewährleistet,
damals war man auf saisonale Sorten angewiesen.
Fleisch und Wurst und Eier waren teuer, wie Backwaren -
das hat sich heute, im Zeitalter der industriellen Massenproduktion
sehr geändert.
Richtiger Käse ist heute so teuer wie damals.
Früher lebte die Hausfrau -zumindest in überwiegender Zahl- vom Geld ihres Mannes, der Ernährer der Familie war -
vielleicht hat sich noch eine Kleinigkeit dazu verdient und
heute ist jeder gleichberechtigt und.. muß auch so arbeiten,
bis in die Rente.
Heute fahren Rentner mit dem SUV und Harley,
damals gingen sie zu Fuß oder fuhren mit dem Rad,
hatten einen "Leseschein" für Holz aus dem Wald zu holen -
heute ist der Urwald "angesagt", wo alles wie Kraut und Rüben umeinander liegt.
Die Bäume sind krank, dadrüber wird geflogen, als gäbe sie das Leben auf der Erde nichts an.
Früher freuten sich die Kinder, wenn sie einen Groschen geschenkt bekamen
und hoben jeden Pfennig von der Straße auf,
heute schauen sie blöd, wenn man zu Fasching den noch immer herum
gehenden Kindern Kleingeld, Eier und Speck gibt,
wie das schon seit ewigen Zeiten der Brauch war-
heute gelten nur teure Süßigkeiten und ein kleiner Schein etwas.
Früher unterhielt man sich auf der Bank an der Straße oder vor dem Haus,
heute telefoniert man miteinander, auch wenn der Angerufene direkt daneben sitzt.
(Whatsapp)
Früher telefonierte man, heute "chattet" man, ob vom Wohnzimmer,
der Arbeit, aus dem Auto oder Zug heraus, selbst vom Klo..
Die Leute haben heute alle Bequemlichkeiten und Helferlis,
die Zeit sparen und dennoch hat man immer weniger davon !
Früher starben viele Männer ab 55 Jahren,
Frauen wurden etwas über 70 Jahre alt,
heute werden Männer über 80, Frauen über 90 Jahre.
(Mit steigender Tendenz)
Wie gesagt, früher fuhr man mit der Bahn, heute mit dem Auto,
wovon inzwischen jeder eines hat - aber bitte kein billiges,
denn damit "vergibt" man sich etwas und muß sich "schämen"
oder wird nicht "für voll" erachtet.
Deshalb ist der Gang zum Autohaus mit Leasing die wichtigste Option im Leben
eines jungen Menschen, nach dem Erwerb des Führerscheins,
wo jeden Monat abgestottert wird,
was dann letztlich immer noch im Eigentum des Vermieters verbleibt.
Wichtig ist, daß der Nachbar nicht denkt, man wäre arm!
Früher ging man mit dem Leiterwägelchen durchs Dorf zu Bekannten
oder Nachbarn oder zur Genossenschaft, um Kohle in den bekannten Zentner-Säcken zu kaufen,
die dann in den Keller geschleppt wurden.
(Das war recht häufig der Fall, wenn die Lieferung des Kohlehändlers eben doch nicht ausreichte)
Das Geld dafür kam nicht billig an, dafür hat man auf Whisky oder Pralinen
und andere angenehme Dinge gerne mal verzichtet -
Hauptsache das Zimmer ist warm -
heute kann man das Girokonto überziehen, das sogar die Obdachlosen besitzen,
um die staatliche Unterstützung erhalten zu können.
Früher war der Gang zu Bank immer ein Buckeln, heute geht vieles online..
Früher hat man nur ein Zimmer geheizt, heute die ganze Wohnung,
selbst bei langer Abwesenheit.
Früher ging Opa mit den Enkeln zum kleinen Waldsee Frösche fangen,
heute steht alles unter Naturschutz und schaut doch viel wüster
und leerer aus als damals - nebenbei gesagt hat Opa keine Zeit
mehr für die "Kids", weil er in Thailand ist oder Oma,
die sich mit anderen Frauen im Wellnesscenter aufhält.
Früher kochten fast immer die Frauen,
heute sind die Männer als Hobbyköche gerne gesehen.
Früher ging man zur Arbeit, heute staut man sich auf den Fernstraßen zur Bürostadt oder macht "Homeoffice" (2023)
Früher gab es Arbeiter und deren Bewegungen, heute sind es Spezialisten
oder Facharbeiter, die 5000 Euro im Monat verdienen.
(Mehr als viele Lehrer oder Beamte)
Der einfache Elektriker wird immer mehr zum Elektroniker,
wie der Autoschlosser ebenso.
Der Arzt schaut nur ab und zu hinter dem Monitor hervor,
der Autofahrer ab und zu mal auf die Straße..
Aus kleinen Quälgeistern, die ab und an eine "geleuchtet" bekamen,
wurden kleine Tyrannen, denen man auf keinen Fall "körperliche Gewalt" antun darf.
Die Zeiten verändern sich und das ist die einzige Konstante im Leben.
Wir sprachen die alten Leute im Dorf noch in der 3. Person an..
wenn nicht, gab es über die Großeltern und Eltern Druck.
Wir Ältere haben zuweilen damit Probleme,
aber das war wohl schon ganz früher so:
"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.
Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität,
hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt,
wo sie arbeiten sollte.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf,
wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft,
verschlingen bei Tisch die Süßspeisen,
legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."
(Sokrates, der griechischer Philosoph,
um 469 vChr, † 399 vChr)
Früher hatte man kaum die Zeit über den eigenen Bauch nachzudenken, heute
fühlt man sich seltsam, wenn man keine Krankheit hat.
Die Zufriedenheit gehört heute ins Heimat-Museum, der Mensch strebt das ganze Leben lang.
Höher-weiter-schneller-was-bin-ich-was-bist-du.
Bei bald 70 Jahren der realen Erinnerung kann schon ein wenig
über die Zukunft nachgedacht werden:
Für mich oder für uns ist wohl bestenfalls noch zehn Jahre angedacht, dann bin ich 80 -
in dieser Zeit wird vermutlich die nächste Öl-Energie-Wirtschafts-Sozialkrise kommen,
die den Jungen das Sparen lehren wird.
Wir kennen das noch, aber für die Nachkommen wird es bitter werden.
Nachtrag 2022: Und sie kam- die Krise- wie vorher zu sehen war..
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Nachtrag:
2024 ist meine letzte Korrekturlesung und so kommt noch etwas dazu: Die Kinder gehen zu Fasching nicht mehr herum. Seltsame Egozentriker spielen Fahrzeug-Korso mit wirrer LED-Beleuchtung, wie der "leuchtende Reiter". Die Zahl der Toxiker hat sich ordentlich erhöht, es wird durch das Gelände gefahren, wenn es dunkelt- auch vor Feldern haben sie keinen Respekt, kein Dorftratsch mehr, jeder bleibt für sich. Keiner läuft- nur die Hundefreunde. Ich begleitete jemanden zur "Arge" nach diesem blöden Limburg -wo noch nie etwas Gescheites her kam, früher Arbeitsamt genannt und erlebte sie wieder, die alte Demut der "Kunden" dort am Schalter, die gleiche herablassende- verachtende Art der Behandlung. (Ich habe als Unabhängiger allerdings heftig aufgemischt) Auf alle Fälle hat mich die Resignation der Wartenden erschreckt..
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